Eheauflösungsverfahren
"in favorem fidei"

Verfahren zugunsten des Glaubens; so genanntes Privilegium Petrinum

Eine, zwischen zwei getauften Partnern gültig geschlossene Ehe, kann, wenn sie geschlechtlich vollzogen wurde, durch keine menschliche Macht und aus keinem Grunde, außer durch den Tod, aufgelöst werden.

Die Kirche kennt jedoch die Auflösung einer Ehe "in favorem fidei", in der ein oder beide Partner einer geschiedenen Ehe nicht getauft sind. Dies gilt auch für Ehen von einem Katholiken mit einem Ungetauften, die kanonisch geschlossen wurden. Die Lösung einer Ehe "in favorem fidei" wird als Gnadenakt durch den Papst gewährt, es gibt keinen Rechtsanspruch. Die Stichhaltigkeit des Auflösungsantrages wird in einem genau geregelten Verfahren durch das Interdiözesane Offizialat Erfurt überprüft und mit dem Votum des Bischofs der Glaubenskongregation in Rom zur Entscheidung vorgelegt.

Voraussetzungen:

  • Wenigstens ein Partner der gescheiterten Ehe war bis zur Scheidung nachweislich nicht getauft;
  • Der Antragsteller beabsichtigt eine neue und konkrete Eheschließung in der katholischen Kirche. Eine Auflösung der Ehe, nur um eine staatliche Scheidung zu legitimieren, kennt die katholische Kirche nicht. 
  • Der Antragsteller ist nicht allein und primär, der katholische Partner keineswegs ursächlich Schuld am Scheitern der zu lösenden Ehe;
  • Der in der neuen Ehe eventuell verbleibende Nichtkatholik verspricht bereitwillig, dem katholischen Partner ein Leben nach den Grundsätzen der Kirche zu ermöglichen. Dazu gehört, dass alle künftig geborenen Kinder katholisch getauft und erzogen werden (Kautelen).
  • Die Lösung der Ehe wird nicht gewährt, wenn ein geschiedener Katholik zum zweiten Mal einen ungetauften Partner heiraten will.

Zur zunächst formlosen Antragstellung wende man sich direkt oder über das zuständige Pfarramt an das Interdiözesane Offizialat Erfurt. 

Nach Erfragung und Sammlung der erforderlichen Angaben und Unterlagen wird der eigentliche Antrag an den Papst mit der Bitte um Auflösung der Ehe erstellt und dem Antragsteller zur Unterschrift vorgelegt. 

Zur Verfahrensführung gehören dokumentarische Nachweise gleichermaßen wie Sachanhörungen von Antragsteller, künftigem Partner und Zeugen. Der geschiedene Partner wird durch das Interdiözesane Offizialat über die Antragstellung informiert und zur Verfahrensbeteiligung eingeladen. Sollte dieser sich verweigern, wird das Verfahren jedoch nicht behindert. Eine Einsicht in das aufgekommene Aktenmaterial durch die Parteien gibt es nicht. Die von der Glaubenskongregation vorbereitete und vom Papst getroffene Entscheidung wird durch das Interdiözesane Offizialat mitgeteilt.

Als Verfahrensdauer bis zum Vorliegen einer Entscheidung aus Rom sind etwa 12 Monate zu veranschlagen.

Die römischen Verfahrensgebühren belaufen sich auf derzeit 345,00 Euro. Bei Vorliegen sozialer Gründe ist eine anteilige Gebührenübernahme durch das Bistum möglich.