Informationen zum kirchlichen Eherecht

Was geht meine Ehe die Kirche an?

Die innige Gemeinschaft des Lebens und der Liebe in der Ehe, vom Schöpfer begründet und mit eigenen Gesetzen geschützt, wird durch den Ehebund, d. h. durch ein unwiderrufliches personales Einverständnis, gestiftet. So entsteht durch den personal freien Akt, in dem sich die Eheleute gegenseitig schenken und annehmen,  eine nach göttlicher Ordnung feste Institution, und zwar auch gegenüber der Gesellschaft. Dieses heilige Band unterliegt im Hinblick auf das Wohl der Gatten und der Nachkommenschaft sowie auf das Wohl der Gesellschaft nicht mehr menschlicher Willkür – II. Vatikanisches Konzil, Gaudium et Spes 48. 

Im can. 1055 des Codex Iuris Canonici heißt es: „Der Ehebund, durch den Mann und Frau unter sich die Gemeinschaft des ganzen Lebens begründen, welche durch ihre natürliche Eigenart auf das Wohl der Ehegatten und auf die Zeugung und Erziehung von Nachkommenschaft hingeordnet ist, wurde zwischen Getauften von Christus dem Herrn zur Würde eines Sakramentes erhoben. Deshalb kann es zwischen Getauften keinen gültigen Ehevertrag geben, ohne dass er zugleich Sakrament ist.“

Die Ehe ist also nach katholischem Verständnis nicht einfach eine weltliche Institution, die  nur nach weltlichen Maßstäben beurteilt werden kann. Sie untersteht nicht nur dem bürgerlichen, sondern auch dem kirchlichen Recht.  

Insofern hat die Kirche über die Ehe auch richterliche Gewalt. Dabei geht es jedoch nicht um eine Ehescheidung im bürgerlichen Sinne. Vielmehr wird nach den Maßstäben des kanonischen Rechtes überprüft, ob eine Ehe überhaupt gültig zustande gekommen ist. 

Dabei ist zu unterscheiden, ob es sich um eine rein katholische oder eine konfessionsverschiedene Ehe handelt, um eine sakramentale Ehe von Katholiken oder um eine nichtsakramentale Ehe zwischen Katholiken und einem ungetauften Partner.

Die katholische Kirche fragt nach der Ehe eines Nichtkatholiken nur dann, wenn dieser einen Katholiken nach katholischer Ordnung heiraten will. Es wird gefragt, ob der nichtkatholisch getaufte oder ungetaufte Partner aus katholischer Sicht ledig ist.

Formale Gründe, eine Eheschließung zwischen evangelisch getauften Christen im katholischen Bereich als ungültig anzusehen, gibt es nicht. Wir nehmen das Eheverständnis des Partners in den Kirchen der Reformation ernst. Die standesamtlich geschlossene Eheschließung von evangelischen Christen bewirkt eine gültige Ehe.

Die so verbundenen Ehepartner gelten also als gültig verheiratet und können in der katholischen Kirche erst nach einem Eheverfahren heiraten, das die Ungültigkeit einer solchen Ehe beweist. Bei einer Vorehe, die immer ein absolutes Hindernis ist, kommt keine gültige Ehe zustande.

 

Stellt sich bei der Ehevorbereitung eines Brautpaares heraus, dass die Vorehe eines Partners formgültig zustande gekommen ist, und dass der andere Partner noch lebt, dann kann die beabsichtigte kirchliche Eheschließung in der Regel zum vorgesehenen Termin nicht stattfinden.

Der Seelsorger wird in derartigen Fällen die Frage ansprechen, ob vielleicht die Voraussetzungen für eine kirchliche Auflösung oder Nichtigkeitserklärung der Vorehe vorliegen, damit die jetzt abzusagende kirchliche Eheschließung des Brautpaares evtl. zu einem späteren Zeitpunkt stattfinden kann.

Für ein Ehenichtigkeitsverfahren ist zuständig: das Gericht am Wohnort der klagenden Partei oder am Wohnort der nichtklagenden Partei oder das Gericht des Eheschließungsortes.

Wenn das Brautpaar an einer Klärung zu dieser Frage interessiert ist, empfiehlt es sich, dass der Partner, dessen Vorehe überprüft werden soll, sich an das Offizialat wendet, um dort in einem Beratungsgespräch die weiteren Schritte zu klären.

Unabhängig von der Zuständigkeit hilft jedes Offizialat entsprechende Fragen, die im Zusammenhang mit einem Ehenichtigkeitsverfahren stehen, zu klären. Es ist auch behilflich bei der Abfassung der Klageschrift.